Auf Zeit; über 040825, Paris, Sainte-Chapelle, 20:14
Bläuliches Licht bricht durch die hohen, bleigefassten Fenster.
Die Glasmalereien erzählen vollkommen und zeitlos.
Ein Mosaik aus Farbe, Hingabe, Kunst und uraltem Talent,
gefangen in jedem Splitter, in jedem Lichtreflex.
Es ist dunkel,
nicht das Dunkel eines Waldes ohne Sterne,
sondern das warme Dunkel flackernder Kerzen:
mystisch, leise atmend.
Ich blicke nach vorn,
doch Menschen, so viele, versperren die Sicht.
Es macht nichts.
Denn meine Augen wären mir nur ein Spiegel des Verlusts.
Ich trauere.
Um ein mögliches Leben,
ein leises "Was wäre wenn"
das sich in den Schatten meiner Erinnerung legt.
Dort sitzt sie:
eine schmale Frau, zurückgebundener Zopf.
In den Händen hält sie ihr Cello,
und mit dem Bogen entfesselt sie den Klang:
weich, doch voller Kraft,
gefühlsdurchtränkt, jeder Strich ein Beben.
Ein Zittern fährt über meine Haut,
nicht von der Kälte, sondern vom Klang.
Dies hätte ich sein können.
Dies hätte meine Stimme sein können.
Ich sehe mich:
als Kind, versunken in meinem Spiel,
verliebt in jeden Ton, der unter den Fingern lebendig wurde.
Ein Cello auf Zeit,
geliehen, nicht geschenkt.
Und als die Frist verstrich,
blieb nur Stille.
Denn was kostet, kann man nicht immer halten.
Kein Geld, kein Instrument.
Nur ein geplatzter Traum,
dessen Echo noch immer in mir klingt.