MATER MELAHAT

In Salzlake getränkt; Türkei, 060725, 16:58


Wie fühlt sich der Sommer an?
Wie erinnert sich ein Herz an ihn?
Wie bewahrt man ihn auf –
für den Winter,
für all die Winter, die noch kommen?

Seit Februar trägt meine Haut Wärme und Salz
wie ein stilles, unsichtbares Gewand.
Wo begann mein Sommer?
Wo wird er enden?
Ist es die Temperatur, die ihn begrenzt?
Ein Urlaub, ein kurzer Aufbruch?
Oder ist es dieses schwebende Gefühl,
als würde die Welt für einen Moment
ihre Liebe nicht mehr verstecken?

Ein kleines Mädchen –
blondes Haar, von der Sonne gestreichelt,
ein Hut mit einem Katzengesicht.
Weiß sie, dass jetzt Sommer ist?
Wie lang dauert ihr Sommer?
Vielleicht ist sie leichter als ich.
Wird im Kindergarten leuchten,
mit Taschen voller Steine,
die sie wie Schätze
vom Grund des Meeres holte.

In flüchtigen Augenblicken
gleitet der Sommer mir in die Seele.
Wenn ich aufs Meer blicke,
den kleinen Sittichen zusehe,
die auf den Sonnenschirmen sitzen –
korkenbraun, sonnenmüde.
Ein Sittich pro Hut,
als wäre das Gesetz.

Und dann geschieht es.
Ein Lächeln umspielt meine Lippen.
Ein leises Ausatmen.
Ich hebe ab.
Meine Füße lösen sich vom Boden,
mein Kopf wird still.
Ich schwebe,
eine Wasserblase trägt mich empor.
Leicht. Lautlos.

Doch dann vergesse ich sie –
die Wasserblase.
Und falle zurück.
Bin wieder schwer.
Steinern.
Ablenkung greift nach mir,
ohne Ziel, ohne Halt.

Der Kopf dreht die Musik auf.
Und meine Gedanken rauschen
wie das Meer bei Flut.