Da ist noch was; Lo48, 180825, 20:41
Wenn Gefühle selbst das Ziel zeichnen,
wenn sie im Schöpfungsakt zu Sternbildern werden,
dann spricht dein Herz in leisen Hymnen,
während der Kopf in Donnerworten ruft,
und dein Körper einen Schornstein atmet,
von unsichtbarem Rauch erfüllt.
Da ist etwas.
Doch was geschieht,
wenn dieser Körper eine leere Höhle wird,
ein schwarzer Schacht,
in dem nur das Echo meiner Schöpfung bezeugt,
dass ich noch atme, noch nähre, noch lebe?
Ich fühle nichts.
Darum suche ich Beweis.
Ich werfe Wörter in das Schwarze,
Steine über stilles Wasser,
warte auf Ringe,
auf ein Zittern im Rand der Stille.
Wenn ein Satz zurückschlägt,
vibriert ein Nerv
und ich weiß: Da ist noch was.
Ich ordne Silben wie Sternstaub,
schleife sie, bis Funken fallen
um das Blut freizulegen,
den schmalen Puls unter der Form.
Bücher reihen sich wie Knochen,
Beweise in Regalen:
Zeugnisse, dass ein Körper schrieb
und noch fühlt.
Und wenn das Nichts zuckt,
nur für einen Takt,
dann reicht mir diese Erschütterung:
Da ist noch was.