MATER MELAHAT

Ende Oktober und ich schwalle voll Wörter, 291025, Lo48, 12:03


Öffne Obsidian, 5 offene Fenster: Kurzgeschichte, Obsession, Kanni, Notizen zu Long Story Short, Notizen zu Babel. Ich öffne einen neuen Tab. 291025. Ich schließe Obsidian, öffne Notion. AKP, Wiederholung sorgt dafür dass man Sachen schneller bearbeitet, Impliziter Assoziationstest. Neuro, kurz geöffnet, direkt wieder geschlossen. 291025 wieder geöffnet. Ich fühle mich ausgelaugt, leer. Als wäre mein Kopf nie mit Gedanken gefüllt gewesen. Als hätte wer die Farbe aus der Welt genommen. Ich will schreiben, schreiben löst nur noch eine Lawine aus Selbstmitleid, abgewechselt mit dunklem Selbsthass aus. Ich will neues probieren, -
291025 geschlossen, aus dem Fenster gestarrt und die Fenster des gegenüberliegenden Hauses gezählt. 3, 6, 9 im rosanen und 4 links im grünen. 13.
291025 geöffnet. - nähen, doch ich sehe keine Schönheit mehr, habe keinen Motor. Manchmal will ich weglaufen, doch das ist zu anstrengend, manchmal will ich verschwinden. Oft will ich pausieren. Die Erddrehung gewaltvoll anhalten, alles einfrieren, um zu atmen.

Ein
Aus
Ein
Aus

Master of Science. 2 Jahre in Sicherheit. 2 Jahre in denen ich genau das mache, was ich mehr oder weniger die letzten 4 Jahre gemacht hab. Und danach? Finde ich danach etwas, was mich wirklich erfüllt? Oder gehe ich von einem Zufall zum nächsten, verstecke mich in Tatenlosigkeit, lasse zu das mein Leben mir passiert? Ich könnte aus 2 Jahren 3 Jahre machen, die Entscheidungen noch einmal aufschieben, mich von der Unwissenheit konsumieren lassen. Was will ich? Will ich das? Wie werde ich zum Akteur? Wie entfliehe ich dem jetzt? In eine warme Hülle, in der ich mich um nichts kümmern muss, in der ich noch kein lebensfähiges Geschöpf bin. Ich frage mich tagtäglich wie ich diesen Zustand überlebt habe. Wo ist die Kraft verloren gegangen? Ich glaube sie war nie da. Mein Gehirn zwingt mich dazu ein positives Selbstbild aufrecht zu erhalten. Denn sonst würde mein Gehirn nicht überleben. Aber wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, verfolgt mich dieser Zustand des Passieren lassens seit den ersten Momenten meiner Erinnerung. Entscheidungen haben Wucht, dunkle Schatten, die dir dicht folgen. Passieren lassen, ist weich, gemütlich. Ich bin nicht Schuld daran, wenn es mich nicht erfüllt. Dachte ich zumindestens.

Schließe 291025. Öffne Instagram. Scrolle. Kann nicht reproduzieren, was meine Wahrnehmung streift, denn alles ist ein grelles Licht, das meinen Augen schmerzt.

Öffne 291025. Leere.




Ich war ein Wochenende lang mit 70 Leuten auf einem Berg direkt am Wald. Aufwachen um 9, Frühstück, Programm Punkt A, Mittagessen um 14, Programmpunkt B, Abendessen um 19, Abend aus klingen lassen. Ich habe mich verloren in dem Rhythmus, der mir vorgibt wann ich essen muss, wann ich spazieren gehen muss, wann ich schlafen gehen muss. Jemand der mir vorgibt, wie ich lerne, wie ich lebe, wie ich kreativ bin und wie ich atme. Nichts, das ich selbst entscheiden muss, nichts, das ich kaputt machen kann. Meine Freundinnen meinten sie würden auf mein Kind aufpassen, falls ich eins hätte, denn das ist es, was Freundschaften im Grunde zusammenhält. Man kann sich aufeinander verlassen, man brauch keinen Vertrag, der einen durch seine Unterschrift unumgänglich bindet. Nicht existierendes Baby würde mit den Wochentagen die Freundinnen rotieren. Verschiebungen gäbe es nur in absoluten Ausnahmen. Manchmal will ich nicht existierendes Baby sein, denn wie schön muss es sein, jeden Tag von einer anderen liebenden Person bemuttert zu werden. Meine Mutter sagt mir, ich melde mich zu selten und sie wolle mal wieder meine Stimme hören. Ich schreibe ohne Luft zu nehmen, es ist die Menge an Koffein und Nikotin die ihre Wirkung entfaltet. Nicht die absurd gigantische Menge, die meine Mutter während er Schwangerschaft zu sich genommen hat, sondern die absurd gigantische Menge die ich von 10 bis 12 Uhr zu mir genommen habe, bevor auch nur ein Tropfen Wasser meine Kehle befeuchtet hat oder die Sonne den Wolken entflohen ist.

Schließe 291025. Drehe eine Zigarette. Rauche hastig. Sie riecht nach Lavendel.

Öffne 291025. Als Kind wollte ich immer wie ein Blumenfeld riechen. Ich hab nie Parfüm benutzt, weil ich Angst hatte wie die Frauen in Filmen zu riechen. Ich weiß nicht, wie Frauen in Filmen riechen. Niemand weiß es. Glaube ich. Ich will wie ein Blumenfeld im Wald riechen und ich will ein nicht existierendes Baby gebären, nur um zu schauen, ob meine Freundinnen sich wirklich kümmern würden.

Ich habe Vorlesung, schließe 291025.